Rostfrei oder rostträge: Was bedeutet das bei Messerstahl?
„Rostfrei“ ist bei Messern ein geläufiger Begriff, der häufig als gegenspieler zu Kohlenstoffstählen genannt wird. Technisch beschreibt „rostbeständig“ oder „rostträge“ die Eigenschaften vieler Messerstähle jedoch genauer. Auch ein rostbeständiger Stahl kann unter bestimmten Bedingungen korrodieren. Entscheidend sind unter anderem die chemische Zusammensetzung, das Gefüge und die Wärmebehandlung.
Was macht einen Stahl rostbeständig?
Chrom spielt bei der Korrosionsbeständigkeit eine zentrale Rolle. Es kann an der Oberfläche eine passive Chromoxidschicht bilden, die den Stahl vor weiterer Korrosion schützt. Es gibt jedoch keinen universellen Chromanteil, ab dem ein Stahl unter allen Bedingungen als rostfrei gilt.
Der Grund: Nicht das gesamte im Stahl enthaltene Chrom steht für die Passivierung zur Verfügung. Ein Teil kann beispielsweise in Chromkarbiden gebunden sein. Ein hoher Gesamt-Chromgehalt bedeutet deshalb nicht automatisch eine entsprechend hohe Korrosionsbeständigkeit.
Warum spielt Kohlenstoff eine Rolle?
Kohlenstoff kann gemeinsam mit Chrom Chromkarbide bilden. Dadurch steht ein Teil des Chroms nicht mehr für die Passivschicht zur Verfügung. Die Wärmebehandlung beeinflusst wiederum, wie viel dieser Karbide gelöst wird und wie viel Chrom im Gefüge verfügbar bleibt.
Deshalb lässt sich die Rostbeständigkeit eines Messers nicht zuverlässig allein anhand der Angaben „X % Chrom“ oder „rostfreier Stahl“ beurteilen.
Rostbeständig bedeutet nicht unempfindlich
Auch rostbeständige Messerstähle sollten nach Kontakt mit Wasser oder aggressiven Substanzen gereinigt und getrocknet werden. Besonders Salzwasser und andere korrosive Umgebungen stellen hohe Anforderungen an die Korrosionsbeständigkeit.
Einige Stähle sind speziell auf sehr hohe Korrosionsbeständigkeit ausgelegt. LC200N gehört beispielsweise zu den besonders korrosionsbeständigen Messerstählen. Andere rostbeständige Stähle setzen stärker auf eine Kombination aus Korrosionsbeständigkeit, Verschleißfestigkeit und anderen Eigenschaften.
Was ist besser: rostbeständiger oder nicht rostbeständiger Stahl?
Das hängt vom Einsatz ab. Für Küchen-, EDC-, Jagd- oder Angelmesser kann eine hohe Korrosionsbeständigkeit den Pflegeaufwand reduzieren. Bei Outdoor- und Bushcraftmessern können dagegen andere Eigenschaften wie Zähigkeit eine größere Rolle spielen.
Rostbeständigkeit ist deshalb keine Qualitätsstufe, sondern eine Eigenschaft eines Stahls, die je nach Einsatz unterschiedlich wichtig ist.



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